Nachhaltige Energie vom Zürichsee
für die Schulthess Klinik 

Die Schulthess Klinik an der Lengghalde in Zürich ist ein Ort, an dem Verlässlichkeit zählt – rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Mit jährlich rund 9’300 stationären Patientinnen und Patienten, 137’000 ambulanten Konsultationen und 1’200 Mitarbeitenden ist der Betrieb hochkomplex. Diese Komplexität spiegelt sich auch in der Energieversorgung wider: Krankenhäuser benötigen enorme Mengen an Wärme und Kälte, wobei Ausfälle keine Option sind.

Um diese Versorgung künftig ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu gestalten, geht die Schulthess Klinik den Weg ohne fossile Brennstoffe und setzt im Rahmen des Gesundheitsclusters Lengg auf die natürliche Energie des Zürichsees.

Synergien im Quartier: Ein Verbund für mehr Nachhaltigkeit

Der entscheidende Impuls für dieses Grossprojekt war die Erkenntnis, dass die energetische Transformation am besten gemeinsam gelingt. Durch die räumliche Nähe der Institutionen im Quartier Lengg entstand ein Energieverbund, zu dem neben der Schulthess Klinik auch die Universitätsklinik Balgrist, die Klinik Hirslanden, das Kinderspital Zürich und weitere in der Umgebung gehören. Dieser Zusammenschluss ermöglicht es, eine Infrastruktur zu nutzen, die für eine einzelne Klinik kaum realisierbar wäre.

Bisher stützte sich die Schulthess Klinik primär auf Erdgas für die Wärmeerzeugung und elektrische Kältemaschinen für die Kühlung. Die zentrale Problematik dieser Konstellation war nicht nur der CO2-Fussabdruck, sondern auch die Volatilität der internationalen Energiemärkte. Der neue Verbund löst diese Abhängigkeiten auf und schafft lokale Stabilität.

Die Kraft des Sees

Das Herzstück des Projekts ist die Nutzung von Seewasserenergie. In rund 30 Metern Tiefe wird dem Zürichsee Wasser entnommen und zu einer unterirdischen Seewasserzentrale am Ufer geleitet. Über Wärmetauscher wird die gewonnene Energie an ein rund 3,5 Kilometer langes Anergie-Netz übertragen. In diesem unterirdischen Kreislauf fliesst das Wasser mit einer Temperatur zwischen 4 und 9 °C durch – eine ideale Basis, um sowohl zu kühlen als auch zu wärmen.

In der Energiezentrale der Schulthess Klinik wird diese Anergie mittels Wärmepumpen und Kälteanlagen veredelt. Für den Klinikalltag sind Leistungen von rund 950 kW für Wärme und Warmwasser sowie 1’200 kW für Kälte notwendig. Damit die Versorgungssicherheit – die oberste Priorität im Klinikbetrieb – jederzeit garantiert ist, bleibt das bestehende System als Redundanz erhalten: Die Gasheizung und die alten Kälteanlagen dienen künftig als Sicherheits-Backup. Sie kommen nur noch in Notfällen zum Einsatz.

Präzisionsarbeit im laufenden Klinikbetrieb

Die technische Umstellung kann hier als eine Operation am offenen Herzen bezeichnet werden, denn der Umbau erfolgt im laufenden Betrieb. Wärme und Kälte müssen für Operations-Säle und Patientenzimmer jederzeit und ohne Unterbruch verfügbar bleiben. Dies erfordert eine minutiöse Planung und Installation, besonders bei der Leitungsführung innerhalb der bestehenden Gebäudestruktur.

Die Transformation hat bereits begonnen: Während der Bau der Seewasserzentrale seit 2023 läuft, starteten im Juni 2025 die Arbeiten an der klinikeigenen Energiezentrale. Ein wichtiger Meilenstein wurde zudem bereits 2025 mit der energetischen Sanierung eines 700 m2 grossen Flachdachs erreicht. Da auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert werden soll, welche weitere 30 Jahre Bestand hat, wurde das Dach vorausschauend erneuert. Dabei ging die Klinik über die notwendige Verstärkung der Wasserdichtigkeit hinaus: Aus Nachhaltigkeitsgründen wurde die Wärmedämmung verstärkt, um signifikante Einsparungen bei der Heizenergie zu erzielen. Zusätzlich bewirkt das Dach dank Retention und Begrünung im Sommer einen kühlenden Effekt durch Verdunstung. Ab Sommer 2027 soll schliesslich die erste erneuerbare Energie aus dem See durch die Leitungen fliessen.

Ein Modell mit Signalwirkung

Das Projekt wird im Contracting-Modell mit Energie 360° umgesetzt. Mit einem Investitionsvolumen von rund 70 Millionen Franken übernimmt der Contracter Planung, Bau und Betrieb des Verbunds, während sich die Kliniken auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Unterstützt wird das Vorhaben durch Fördergelder des Gebäudeprogramms, welche das Projekt mit etwa 7% der gesamten Bausumme mitfinanzieren. Wie hoch diese Gesamtsumme ausfällt, hängt auch davon ab, welcher bauliche Aufwand nötig ist, um die neue Energieversorgung im Gebäude umzusetzen – entsprechend kann sie höher oder tiefer liegen. Die Förderbeiträge selbst orientieren sich dabei nicht an den Baukosten, sondern an Kriterien wie der installierten Leistung und dem Ersatz der Anlagen. Dadurch kann sich der prozentuale Anteil an der Gesamtinvestition verschieben.

Die Wirkung des Projekts ist beachtlich: Allein die Schulthess Klinik wird ihren CO2-Ausstoss um rund 460 Tonnen pro Jahr reduzieren. Damit ist der Energieverbund Lengg ein gutes Beispiel für die Energiestrategie der Schweiz. Es zeigt auf, wie durch starke Zusammenarbeit, klare Rollenverteilung und technologische Lösungen eine klimafreundliche Zukunft möglich wird.


Energetische Massnahmen

Objekt
Schulthess Klinik (Wilhelm Schulthess-Stiftung), Zürich

Technik
Seewasserenergie via Anergie-Netz, Wärmepumpen und Kälteanlagen

Leistung
950 kW Wärme / 1’200 kW Kälte

Zeitplan
Umbau seit Juni 2025, Inbetriebnahme Mai 2027, Energielieferung ab Sommer 2027

Ökologie
Ca. 460 Tonnen CO2-Ersparnis pro Jahr

Contracting
Energie 360°